VIER KINDERGÄRTEN UND EINE VERBUNDENHEIT, DIE GEWACHSEN IST
Was uns heute verbindet, begann mit einem Moment, der alles veränderte: dem Brand im Waldorfkindergarten Viersen. Von einem Tag auf den anderen konnten die Kinder ihre Einrichtung nicht mehr betreten. Sofort öffneten die Waldorfkindergärten Mönchengladbach und Willich ihre Türen, nahmen Kinder auf und stellten Räume zur Verfügung.
In dieser herausfordernden Zeit ist etwas entstanden, das bleibt: Vertrauen, Nähe und ein Gefühl von gemeinsamer Verantwortung.
Während die Viersener Kinder erst in benachbarten Kindergärten, später in liebevoll gestalteten Containern auf dem eigenen Grundstück und schließlich wieder im renovierten Kindergarten betreut wurden, vertiefte sich unser Kontakt. Gleichzeitig baute die damalige Leitung des Kleinen Wassermanns den neuen Waldorfkindergarten in Waldniel mit auf und übernahm dort die Leitung. So wuchs aus drei Kindergärten bald ein vierter hinzu – und aus einer Notgemeinschaft eine echte Gemeinschaft.
Heute treffen sich unsere Vorstände und Leitungen regelmäßig. Wir sprechen über pädagogische Fragen, organisatorische Herausforderungen, neue Perspektiven und gemeinsame Visionen. Aus all diesen Begegnungen erwuchs der Wunsch, auch in Zukunft eng zusammenzuarbeiten und weiter gemeinsam zu wachsen.
Das Jubiläumsjahr 2026 wurde für uns eine wunderbare Gelegenheit, diese Verbundenheit sichtbar zu machen. Unser gemeinsames Festprogramm ist Ausdruck dessen, was uns trägt: Austausch, Unterstützung und die Freude daran, Waldorfpädagogik gemeinsam zu gestalten.
Im Folgenden möchten wir uns gerne jeweils kurz vorstellen.
Willich – Christian-Morgenstern-Kindergarten
Viersen – Der kleine Wassermann
Waldniel – Haus der Sonne
Mönchengladbach – Hollerbusch e.V.
Christian-Morgenstern-Kindergarten – Willich
„Die sozialen Erneuerer der Zukunft müssen unsere Kinder sein.“
Rudolf Steiner
In unserem „Waldorfkindergarten Christian Morgenstern“ begleiten und fördern wir die ganzheitliche Entwicklung unserer Kinder. Unseren Blick richten wir nicht nur auf die kognitiven Kompetenzen, sondern auch auf die Förderung von künstlerischen, handwerklichen und sozialen Fähigkeiten.
Betreuungsangebot
Unser Betreuungsangebot umfasst wöchentlich 35 – 45 Stunden. Montag bis Donnerstag sind wir von 7:00 bis 16:30 Uhr geöffnet, und freitags bis 14 Uhr.
Verbindliche Bring- und Abholzeiten sorgen für Beständigkeit und unterstützen die Tagesabläufe im Sinne der Kinder. Zwei Gruppen bieten Plätze für Kinder ab drei Jahren, während eine weitere Gruppe für unsere unter Dreijährigen zur Verfügung steht.
Die Großtagespflege „Morgensternchen“ am Friedendorfweg ergänzt unser Angebot und bietet die Möglichkeit der Betreuung für Kinder zwischen ihrem ersten und dritten Lebensjahr.
Pädagogischer Hintergrund
Für Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, bildet die Dreigliederung des menschlichen Seins das Kernprinzip der Waldorfpädagogik und umfasst die Verbindung von Kopf (Denken), Herz (Fühlen) und Hand (Handeln).
Die individuelle und wertfreie Perspektive auf den Einzelnen sowie das Freilegen persönlicher Begabungen und Fähigkeiten definieren im Wesentlichen die grundlegenden Werte der Waldorfpädagogik. Sie fördern in den Kindern Selbstwert und Selbstvertrauen und stellen Ressourcen dar, die sie dabei unterstützen, schwierige Lebensabschnitte zu bewältigen.
In den ersten Lebensjahren orientieren sich Kinder besonders stark an den sinnhaften, alltäglichen Tätigkeiten ihrer Erzieher*innen. Dieser Prozess wird als Lernen durch Nachahmung bezeichnet und verdeutlicht die hohe Verantwortung, die mit der Rolle der Erzieher*innen verbunden ist. Wiederkehrende Tagesabläufe schaffen Routinen und Rituale, die dem Kind Vorhersehbarkeit und somit Sicherheit vermitteln. Dazu gehören feste Speisezeiten an bestimmten Wochentagen sowie traditionelle, saisonale Feste und Bräuche.
Neben strukturierten Abläufen erhalten Kinder Raum für das freie Spiel, das ihre Vorstellungskraft und Kreativität fördert. Hochwertige, natürliche Spielzeuge unterstützen diesen Prozess. Die mit Bedacht gewählten Naturmaterialien lassen sich durch ihre Beschaffenheit und Haptik für Kinder spürbarer erfassen und lassen auf diese Weise vielfältige Sinneserfahrungen zu.
Rhythmus und Bewegung sind zentrale Elemente in der kindlichen Entwicklung. Sie fördern das Wohlbefinden, indem sie anregend oder beruhigend wirken können, und helfen den Kindern, ein Gefühl für Zeit und Raum zu entwickeln.
Eurythmie ist eine anthroposophische Bewegungskunst, die sich als sichtbare Form von Sprache und Gesang versteht und diese künstlerisch im Raum präsentiert. Sie fördert nicht nur das Gemeinschaftsgefühl und die Körperausdruckskraft, sondern auch die Konzentration, Koordination und Raumwahrnehmung.
„Der Hände Werk“ umfasst die große Bedeutung des Schaffens und Gestaltens und ist ein essenzieller Bestandteil der Waldorfpädagogik. Im Rahmen der Kunst und des Handwerks bilden Malen, Kneten oder Weben wichtige Tätigkeiten.
Das Spiel im Freien, in Verbundenheit mit der Natur im Rhythmus der Jahreszeiten, fördert die natürliche Entwicklung des Kindes und stellt einen wichtigen Bestandteil unseres pädagogischen Konzeptes dar. Mit Hilfe von Materialien wie Steinen, Sand und Wasser, erfahren die Kinder die Vielfalt der Natur mit allen Sinnen und schaffen eine tiefe Verbindung zu ihrer Umgebung.
Elterninitiative
Der Waldorfkindergarten Christian Morgenstern ist eine Elterninitiative, die viele Möglichkeiten für gemeinsames Handeln, Entscheidungen und persönliches Wachstum eröffnet.
Unsere Gesellschaft befindet sich im Zeitalter der Individualisierung. Gemeinschaft droht an Bedeutung und Kontur zu verlieren. Diese Betrachtungsweise legt nahe, dass Solidarität nicht von selbst entsteht, sondern einem kontinuierlichen Prozess der Reflexion über persönliche und äußere Umstände unterliegt. Reichhaltige Nachmittagsangebote und Aktivitäten, die Kinder beschäftigen und auslasten, vermindern gleichzeitig die Wahrnehmung bewusster, gemeinsamer Zeit. Gemeinschaft zerläuft zunehmend und entwickelt sich zu einem Zustand, der nicht greifbar ist, während der Mensch von heute einer Insel gleicht und die Kraft sowie die Wohltat des Miteinanders verkennt und unterschätzt. Unser Gemeinschaftsgeist bildet den Grundstein unseres Hauses. Die Zeit und Energie jedes Einzelnen stärken das Mauerwerk und stabilisieren dessen Stand. In unserem Kindergarten verbringen die Kinder einen der einprägsamsten Lebensabschnitte. Sie wachsen in einer sorgfältig ausgewählten und atmosphärisch unvergleichlichen Umgebung auf, deren Fortbestehen uns allen am Herzen liegt. Nur wenn wir uns als Gemeinschaft empfinden und bereit sind, Verantwortung gemeinsam zu tragen, wird das Gebälk unerschütterlich bleiben.
„Gemeinschaft ist ein Feld geistiger Kräfte, das die Seele nährt.“
Rudolf Steiner

Der kleine Wassermann – Viersen
Eingebettet in die naturnahe Umgebung zwischen Mühlenweiher und Bongartzmühle liegt der Waldorfkindergarten „Der kleine Wassermann“ in Viersen.
2014 zog der Kindergarten als Nachfolger des Raphael-Waldorfkindergartens an die Greefsallee. Seitdem finden hier 37 Kinder in zwei Gruppen im Alter von ein bis sechs Jahren einen behüteten Ort zum Wachsen, Spielen und Sein.
Ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart sich berühren. Das Zuhause „kleinen Wassermänner“ und „kleinen Wasserfrauen“ ist ein liebevoll restauriertes Stallhaus aus dem frühen 15. Jahrhundert, dem ein moderner Fachwerkbau zur Seite steht. Die Verbindung aus historischen Mauern, natürlichen Baustoffen und heller, freundlicher Atmosphäre schenkt dem Alltag der Kinder besonderen Zauber und Wärme.
Im Sommer 2022 wurde der Waldorfkindergarten von einem Brand schwer getroffen. In dieser herausfordernden Zeit erfuhr der „kleine Wassermann“ große Unterstützung: Die Waldorfkindergärten in Willich und Mönchengladbach öffneten großzügig ihre Türen und stellten uns liebevoll vorbereitete Übergangsräume zur Verfügung. Dank dieser herzlichen Aufnahme konnte der Alltag der Kinder weiterleben und ein Stück Normalität erhalten bleiben.
Später folgte eine Containerlösung auf dem Kindergartengelände. Nach sorgfältiger Restaurierung war die Rückkehr in die erneuerten Räume im April 2024 möglich – alles neu und doch vertraut.
Der kleine Wassermann wird getragen von einem engagierten Team, das den Kindern mit Verlässlichkeit, Herzlichkeit und einer klaren Tages- und Wochenstruktur einen sicheren Rahmen bietet. Freies Spiel, gemeinsames Tun und das Erleben des Jahreslaufs prägen den Alltag ebenso wie die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Team.
2026 feiern die Waldorfkindergärten ihr 100-jähriges Bestehen. Mit Freude und Dankbarkeit beteiligt sich der „kleine Wassermann“ an diesem besonderen Jubiläum und öffnet im Laufe des Festjahres immer wieder die Türen für Begegnungen und Austausch.
Wir sind Teil dieser Geschichte. Ein Ort mit Herz, Geschichte und Lebendigkeit – das ist „Der kleine Wassermann“ in Viersen.

Haus der Sonne – Waldniel
„Einen Ort schaffen…für Kunst, Kultur und Bildung.“
Wie aus einer Idee Wirklichkeit wurde…
Im Sommer 2018 haben wir uns das erste Mal über eine gemeinsame Vision ausgetauscht. Der Wunsch war es einen Begegnungsort für Kinder und deren Familien zu schaffen, wo der einzelne Mensch die Möglichkeit hat seine Kreativität im künstlerischen, handwerklichen und sozialen Bereich zum Ausdruck zu bringen. Es ist für uns eine Herzensangelegenheit Kinder in den ersten sieben Jahren auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Nach jahrelanger pädagogischer Arbeit fühlten wir uns für diese Herausforderung gerufen.
„Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es.
Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.“
-Johann Wolfgang Goethe-
Angesteckt durch die weisen Worte haben wir uns zusammengesetzt und unsere Gedanken gesammelt, geordnet, strukturiert und anschließend in Form gebracht. Am 4. März 2019 gründeten wir mit 8 Mitgliedern den Verein „Haus der Sonne“. Der Vorstand setzte sich aus drei Idealisten zusammen, die seitdem ehrenamtlich dem Amt dienen.
Wir haben uns die Aufgabe gestellt, für gesunde und tragende Strukturen zu sorgen.
Nicht nur die Kinder brauchen Verlässlichkeit, Wertschätzung und transparente Prozesse, die ihnen Orientierung, Sicherheit und Klarheit bieten. Auch für die Mitarbeitenden ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass sie sich verstanden und wohl fühlen.
Unsere Aufgabenprozesse sind so transparent gestaltet, dass sie für das Team und die Eltern nachvollziehbar sind.
Wir legen viel Wert auf hohe Qualität und haben uns zum Beispiel für eine eigene Küche mit Bauerngarten entschieden, in der wir in Bioqualität für das leibliche Wohl sorgen wollen.
Haus der Sonne ist eine zweigruppige Einrichtung mit Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahren, die sich als „ein Haus für Kinder“ sieht. Wir arbeiten täglich zum Wohle des Kindes Hand in Hand als Team zusammen und sind pädagogisch gruppenübergreifend abgestimmt. Bei uns steht das Kind an erster Stelle, weil die Kinder die Zukunft von morgen sind…
Sonnige Grüße
Sabrina Hansen (Kindergartenleitung) & Jasmin Jakob (stellv. Leitung)

Hollerbusch e.V. – Mönchengladbach
Im Jahr 2026 feiern wir zwei besondere Jubiläen:
100 Jahre Waldorfkindergärten weltweit und
45 Jahre Waldorfkindergarten Hollerbusch (1981–2026).
Seit der Gründung der ersten Waldorfkindergärten begleitet die Waldorfpädagogik Kinder auf einem Weg, der ihr Wesen achtet und ihre individuellen Entwicklungskräfte stärkt. Auch unser Kindergarten ist Teil dieser Geschichte: ein Ort, der in 45 Jahren gewachsen ist, sich weiterentwickelt hat und heute ein lebendiger Bestandteil der Mönchengladbacher Bildungslandschaft ist.
„Nimm ein Kind an die Hand und führe es behutsam hin zu seinem eigenen Wesen.“
– Rudolf Steiner –
Diese Worte Rudolf Steiners beschreiben, was unsere Gemeinschaft trägt: eine Pädagogik, die Kinder in Freiheit, Achtsamkeit und Vertrauen auf ihrem Weg ins Leben begleitet.
Von der Idee zum eigenen Kindergarten
Im Jahr 1978 trafen sich in Mönchengladbach interessierte Eltern und Menschen, die sich mit den Schwerpunkten der Anthroposophie und Waldorfpädagogik auseinandersetzten, um unter diesen Gesichtspunkten einen Kindergarten für Kinder im Alter von 3-6 Jahren zu gründen.
Die bürokratischen Hürden waren schon damals sehr hoch, aber schließlich konnte im Jahr 1981 die erste Kindergartengruppe mit 19 Kindern eröffnet werden. 1985 folgte eine zweite Gruppe.
Durch die wachsende Gemeinschaft und die Entstehung der Rudolf Steiner Schule, Freie Waldorfschule Mönchengladbach, konnte 1997 in Mönchengladbach-Uedding der Grundstein für ein eigenes Kindergartengebäude mit drei Gruppenräumen gelegt werden.
Unser Leitbild: Menschsein
Der Waldorfkindergarten Hollerbusch versteht sich als Lebensraum der Begegnung und Selbstwerdung. Ein Ort, an dem Kinder, Eltern und Erzieher:innen sich in Freiheit an Leib, Geist und Seele wohlfühlen dürfen.
Wir möchten Kindern einen Raum geben, der von Geborgenheit, Rhythmen, kreativem Tun und freiem Spiel geprägt ist – eine Umgebung, die ihnen Kraft gibt und sie in ihrer Individualität stärkt.
45 Jahre Entwicklung & im siebten Jahrsiebt angekommen
In der Anthroposophie wird die menschliche Entwicklung in Siebenjahres-Schritte gegliedert. Symbolisch betrachtet befindet sich der Hollerbusch heute im siebten Jahrsiebt seiner eigenen Geschichte:
- Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes aus den Kinderschuhen herausgewachsen.
- Wir haben unseren „physischen Leib“, unser Haus, entwickelt.
- Wir sind geistig gereift und haben unserer „Seele“, dem inneren Wesen der Einrichtung, viele Gestaltungsmöglichkeiten angeboten.
Das siebte Jahrsiebt steht im Zeichen der Einzigartigkeit, Reife und wachsenden Selbstlosigkeit. Es lädt dazu ein, Erfahrungen bewusst einzusetzen, Unwesentliches abzustreifen und den eigenen Weg mit Klarheit weiterzugehen.
Diese Bilder bewegen uns und führen zu Fragen, die Orientierung geben:
Sind wir Einzigartig? Zufrieden? Folgen wir unserem selbstgestalteten Lebensweg? Setzen wir unsere Erfahrungen richtig ein? Streifen wir Unwichtiges ab? Entwickeln wir mehr Selbstlosigkeit?
Fragen, die uns stärken und gleichzeitig nachdenklich stimmen.
Fragen, die uns die Aufgaben für unsere Zukunftsgestaltung geben.
Heute betreuen wir in drei altersgemischten Gruppen, der Sterntalergruppe (2 – 6 Jahre) sowie der Dornröschen- und Schneewittchengruppe (je 3 – 6 Jahre), Kinder ab etwa zwei Jahren bis zur Einschulung. Bis zu 60 Kinder finden im Hollerbusch einen liebevoll gestalteten Raum, getragen von einem engagierten Team aus Pädagog:innen, Therapeut:innen und Auszubildenden.
In unserer tollen Gemeinschaft der Familien und Mitarbeiter:innen haben wir in all den Jahren vieles für uns und unsere Kinder aufgebaut, entwickelt und verfeinert. Unsere Konzeption wächst mit den Bedürfnissen der Kinder und den Herausforderungen der Zeit, getragen von dem Ziel, Kindheit zu schützen und Entfaltung zu ermöglichen.
Auf dem Weg in die Zukunft
45 Jahre Hollerbusch bedeuten:
ein starkes Fundament, wertvolle Erfahrungen, gelebte Gemeinschaft und ein weiter wachsender Blick nach vorn.
So möchten wir im Jubiläumsjahr nicht nur feiern, sondern auch dankbar zurückschauen, bewusst in der Gegenwart stehen und zuversichtlich die Zukunft gestalten – gemeinsam mit den Kindern, den Familien und allen, die den Hollerbusch seit vielen Jahren begleiten.





